Zoll: EU und Indien erzielen Einigung über Freihandelsabkommen
Nach fast zwei Jahrzehnten der Verhandlungen haben sich die EU und Indien auf ein umfassendes Handelsabkommen geeinigt. Es soll Zölle auf den Großteil der EU-Ausfuhren nach Indien abbauen, Investitionen erleichtern und Unternehmen auf beiden Seiten einen besseren Zugang zu einem Markt mit rund zwei Milliarden Menschen verschaffen.
Bereits jetzt werden Waren und Dienstleistungen im Wert von über 180 Milliarden Euro pro Jahr zwischen der EU und Indien ausgetauscht, wodurch fast 800.000 Arbeitsplätze in der EU gesichert werden. Mit dem neuen Abkommen sollen die EU-Warenausfuhren nach Indien bis zum Jahr 2032 verdoppelt werden. Dazu sollen die Zölle auf 96,6 Prozent dieser Ausfuhren abgeschafft oder gesenkt werden. Insgesamt werden durch die Zollsenkungen jährlich rund vier Milliarden Euro an Zöllen auf europäische Produkte eingespart.
Zollsenkungen für EU-Unternehmen
Die EU wird von Indien Zollsenkungen erhalten, die kein anderer Handelspartner bekommen hat. So werden die Zölle auf Autos beispielsweise schrittweise von 110 Prozent auf bis zu 10 Prozent gesenkt, während sie für Autoteile innerhalb von fünf bis zehn Jahren vollständig abgeschafft werden. Ebenfalls weitgehend abgeschafft werden Zölle von bis zu 44 Prozent auf Maschinen, 22 Prozent auf Chemikalien und 11 Prozent auf Arzneimittel.
Neue Exportchancen für KMU und erleichterter Marktzugang
Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien eröffnet insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen durch spezielle Kontaktstellen, die Informationen und Unterstützung bieten, neue Exportchancen. KMU profitieren von Zollsenkungen, dem Abbau rechtlicher Hindernisse sowie von mehr Transparenz und Planungssicherheit. Zölle auf Agrar- und Ernährungsgüter werden deutlich reduziert oder sogar abgeschafft. Empfindliche EU-Produkte sind davon ausgenommen und es gelten weiterhin strenge EU-Standards. Ergänzend soll ein Abkommen zu geografischen Angaben EU-Qualitätsprodukte besser schützen. Zudem erhalten EU-Unternehmen privilegierten Zugang zum indischen Dienstleistungsmarkt und ein hohes Maß an Schutz des geistigen Eigentums, was Handel und Investitionen erleichtert.
Das Abkommen zielt darauf ab, die Nachhaltigkeit durch verstärkten Umwelt- und Klimaschutz sowie den Schutz von Arbeitnehmerrechten zu stärken. Zudem werden die EU und Indien im Jahr 2026 eine Klimaplattform einrichten und Indiens Bemühungen zur Emissionsreduktion mit bis zu 500 Millionen Euro unterstützen.
Nächste Schritte
Die EU veröffentlicht die Textentwürfe, lässt sie juristisch prüfen und übersetzen. Anschließend folgen Vorschläge der Kommission, die Annahme durch den Rat, die Zustimmung des Europäischen Parlaments und die Ratifizierung durch Indien, bevor das Abkommen in Kraft treten kann.
sd
Unsere Empfehlungen:
Das umfassende EU-Indien-Freihandelsabkommen soll die Strategie der EU unterstützen, ihre Handelsbeziehungen zu diversifizieren und Partnerschaften mit wichtigen Wachstumsmärkten auszubauen. Es zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit durch einen besseren Marktzugang und Zollsenkungen zu stärken und eine wirtschaftliche Öffnung mit Nachhaltigkeitszielen sowie dem Schutz europäischer Standards und Innovationen zu verbinden.
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